FOTOGRAFIE IN ITALIEN 1846-1900
Sammlung Dietmar Siegert

Neue Pinakothek München

2014 konnte der Pinakotheks-Verein mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Sparkassen-Finanzgruppe die rund 9.700 Fotografien umfassende Italiensammlung von Dietmar Siegert erwerben und der Neuen Pinakothek als Dauerleihgabe übergeben. Damit verfügt dieses Haus, das seit den Tagen seiner Gründung durch Ludwig I. von Bayern mit den Werken der Nazarener und der Deutsch-Römer einen ausgeprägten Italienschwerpunkt im Bereich der Malerei und Skulptur besitzt, nun auch über eine Sammlung von früher Italienfotografie von internationalem Rang.

Die bedeutendsten in Italien ansässigen Fotografen sind mit teils umfangreichen Konvoluten vertreten. Von Domenico Bresolin (1813-1900) besitzt die Sammlung mehr als einhundert seiner frühen Venedig-Fotografien, die zu den schönsten Architekturaufnahmen der Zeit gehören. Giacomo Caneva (1813-1865), der zu den innovativsten Fotografen in Rom zählt, ist mit mehr als einhundert seiner kostbaren Kalotypien vertreten. James Anderson (1813-1877), der zusammen mit Robert MacPherson (1814-1872) stilprägend für die frühe römische Architektur- und Landschaftsfotografie war, bildet einen weiteren Schwerpunkt der Sammlung, ebenso wie Giorgio Sommer (1834-1914), der von Neapel aus den italienischen Süden und Sizilien fotografisch erschlossen hat. Hinzu kommt die große Zahl reisender Fotografen aus England, Frankreich und Deutschland, darunter Pioniere der frühen Fotografie wie Calvert Richard Jones (1802-1877) oder George Wilson Bridges (1788-1863).

Nach Bildthemen steht die Landschafts- und Architekturfotografie im Vordergrund. Sie versorgte die wachsende Zahl der Bildungsreisenden auf ihrer Grand Tour mit Aufnahmen der besuchten Orte und Sehenswürdigkeiten. Hinzu kommt eine große Anzahl von Genreaufnahmen sowie von Kunstwerken in den Museen von Florenz, Rom und Neapel. Die Sammlung besitzt eine hohe kulturgeschichtliche Bedeutung, nicht nur als Bildkompendium der Landschaften und Städte Italiens, sondern auch für die Entwicklung des fotografischen Italienbildes, das die Wahrnehmung dieses Landes geprägt und auch die Selbstwahrnehmung seiner Bewohner beeinflusst hat.

Herbert W. Rott