Peter Gertner, Bischof Philipp von Freising, um 1540

Historischer Verein Freising

Das bedeutende, in der Öffentlichkeit bisher unbekannte Portrait des Bischofs Philipp von Freising ist auf ein Pergamentblatt mit Deckfarben gemalt; es zeigt das Gesicht von halblinks mit realistischer Charakteristik und eminent plastischer Wirkung. Barett und Kragen sind nur in Umrisslinien angedeutet. Auf der Rückseite steht: „Pfalzgraff Philipp Bischoff zu Freysingen“. Die Schrift ist paläographisch noch der Lebenszeit des Bischofs zuzuordnen, während die Beschriftung der Vorderseite auf das frühe 17. Jahrhundert zurückgeht. Links unten ist im Duktus des frühen 19. Jahrhunderts das Blatt mit „No 15“ bezeichnet. Diese Nummerierung verweist auf den Zusammenhang eines Albums mit Portraitaufnahmen gleicher Technik, das im 20. Jahrhundert aufgelöst wurde und in den überlieferten Teilen bis Nr. 22 bekannt ist. Die meisten dieser Blätter befinden sich in europäischem und amerikanischem Museumsbesitz.

Kurt Löcher hat in überzeugender Weise dargetan, dass der Urheber der Serie Peter Gertner ist, damals Hofmaler des Pfalzgrafen Ottheinrich, Fürsten von Neuburg an der Donau. Die Portraitaufnahmen dienten der späteren Ausführung als Tafelbilder. Dabei ist festzustellen, dass die ausgeführten Gemälde nie die prägnante Kraft der Charakterschilderung, wie sie auf den Pergamentblättern erscheint, bewahren konnten.

Philipp (1480-1541) war der zweite Sohn des Kurfürsten Philipp von der Pfalz. 1499 wurde er Administrator, dann Bischof von Freising. 1517 erhielt er auch das Bistum Naumburg. Seine Bautätigkeit bestimmt bis heute das Bild des Freisinger Dombergs. Der Arkadenhof der bischöflichen Residenz auf der höchsten Stelle des Berges mit seinen von Stefan Rottaler 1519 geschaffenen Säulen stellt den ersten Renaissancebau in Altbayern dar. In dem an der Nordflanke des äußeren Domhofs erbauten Philippschloss (1534-37) haben sich Säulenhallen und Reste der Ausmalung von Albrecht Altdorfer erhalten. Philipp unterhielt Beziehungen zu zahlreichen bedeutenden Künstlern seiner Zeit, insbesondere zu Lucas Cranach, Hans Wertinger, Loy Hering und Friedrich Hagenauer. Sein prachtvolles Grabmal in der Vorhalle des Freisinger Doms hat Thomas Herings gestaltet.

Dr. Sigmund Benker