MEISTER VON MEßKIRCH
Wildensteiner Altar

Staatsgalerie Stuttgart

Der Wildensteiner Altar ist ein für die private Andacht bestimmtes kleines Hausaltärchen, das die wichtigsten Dienstherren des Künstlers, der Freiherr und spätere Graf Gottfried Werner von Zimmern und dessen Gemahlin Gräfin Apollonia von Henneberg 1536 in Auftrag gegeben haben. Vermutlich entstand der Altar nicht, wie es sein Name nahelegen könnte, für die Burg Wildenstein, sondern für das Schloss Meßkirch. Er ist vollständig erhalten und auch in seinem funktionalen Zusammenhang weitgehend intakt: In geöffnetem Zustand zeigt die Mitteltafel die von Engeln bekrönte Muttergottes mit Kind im Kreise der vierzehn Schutzheiligen des Hauses Zimmern. Auf den Innenseiten der Drehflügel sind vor einer aufwendigen Palastarchitektur die knienden Stifter dargestellt. In geschlossenem Zustand sind drei Passionsszenen zu sehen. Bei dem Wildensteiner Altar zeigt sich der Meister von Meßkirch auf der Höhe seiner Meisterschaft. Der geistreiche Bildaufbau, die Plastizität der Figuren, die ornamentale Freiheit der Gewänder und vor allem der lichthaltige Kolorismus verleihen dem Retabel seinen unverwechselbaren, einzigartigen Charakter. Charakteristisch ist vor allem die Verbindung altertümlicher, spätgotischer Elemente mit fortschrittlichen Bildideen der Renaissance. Die stimmungsvollen Landschaftsdarstellungen auf den Flügelaußenseiten stehen dem Stil der Donauschule nahe. Als Zeitdokument aus dem Umfeld der Katholischen Reform, die – ungeachtet der zwinglianisch orientierten Bestrebungen Herzog Ulrichs von Württemberg – von einigen altgläubig verbliebenen Adelshäusern und Klöstern im oberschwäbischen Raum getragen wurde, ist das Werk auch von hohem historischen Interesse. Durch seinen Ankauf bleibt er weiterhin in der Staatsgalerie Stuttgart für die Öffentlichkeit zugänglich.