Porzellanbüste Kaiser Karls VII.

Bayerisches Nationalmuseum, München

Für das Bayerische Nationalmuseum konnte eine ideale Ergänzung zu den historischen Meißen-Beständen in einer Auktion erworben werden: die Porzellanbüste Kaiser Karls VII.. Der Dargestellte ist der bayerische Kurfürst Karl Albrecht (1697-1745), der 1742 als Karl VII. zum Kaiser gekrönt wurde und damit der einzige Kaiser der Neuzeit war, der nicht aus dem Hause Habsburg stammte, sondern aus dem Hause Wittelsbach. Ihm und seiner Gattin ist es zu verdanken, dass in München im Bayerischen Nationalmuseum und in der Münchner Residenz so viel bedeutendes frühes Meißener Porzellan vorhanden ist: denn schon 1722 - also nur 12 Jahre nach der Gründung der Meißener Manufaktur und nur zwei Jahre nachdem endlich das Aufbrennen von Porzellanfarben gelang- erhielt der Dargestellte zu seiner Hochzeit Meißener Porzellan als Geschenk des sächsischen Hofes. Seine Braut war die Kaisertochter Maria Amalia, deren einzige Schwester Maria Josepha drei Jahre zuvor 1719 den sächsischen Kronprinzen, den späteren König August III., geheiratet hatte. Weiteres bedeutendes Meißener Porzellan kam 1742 mit dem Erbe der Schwiegermutter, der Kaiserinwitwe Wilhelmina Amalia nach München, die diese Stücke als Geschenk ihres sächsischen Schwiegersohns Augusts III. erhalten hatte. Mit dem Ankauf der Büste ist das Bayerische Nationalmuseum nun in der Lage, den Kaiser als Besitzer inmitten seiner hochbedeutenden frühen Meißener Porzellane zu präsentieren und damit die historischen Zusammenhänge eindrücklich vor Augen zu führen. Dabei ist die Porzellanbüste gleichzeitig ein hervorragendes bildhauerisches Werk, die wohl schönste und feinste aller Meißener Porzellanbüsten. Sie setzt im Museum, neben den fein bemalten frühe Geschirren, nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch einen großartigen Akzent.

Abbildung: Porzellanbüste Kaiser Karls VII., 1742, Bayerisches Nationalmuseum, München