6 Objekte ostasiatischer Kunst aus der Sammlung
Klaus F. Naumann,15. bis 19. Jahrhundert

Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer
Kulturbesitz – Museum für Asiatische Kunst

Faltbare Wandschirme dienen in Ostasien nicht nur als Raumteiler sondern sind auch ein wichtiges Format der Malerei. Dieses Schirmpaar mittlerer Höhe erreicht die für Japan maximale Zahl von jeweils acht Paneelen. Sowohl die vornehmlich im Tuscheidiom ausgeführte Seenlandschaft mit steilen Hintergrundbergen wie auch die Auffassung der Gebäude und Figuren entsprechen japanischen Vorstellungen von China und verweisen auf die kontinentalen Ursprünge des Sujets. Das Nebeneinander von spielenden Knaben sowie Hofdamen in einer Palastanlage deutet zudem auf die Kombination zweier Bildmotive, nämlich die in der üblichen Betrachtungsrichtung von rechts nach links aufgeführten Personifikationen der vier edlen Künste, Musik (Zither) und Strategie (Brettspiel), Kalligrafie und Malerei sowie der in Japan als ‚Chinesen-Kinder‘ bekannten Darstellung von Knaben bei geselligen Freizeitvergnügungen, einem Sinnbild zahlreicher Nachkommenschaft. Beide Bildthemen wurden in Japan seit dem 16. Jahrhundert insbesondere von Malern der Kano-Schule häufig dargestellt. Dieser Werkstatt- und Familienverbandes war vor allem für die militäraristokratische Elite tätig. Der Maler Chikanobu leitete zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Werkstatt eines bedeutenden Familienzweigs in der Stadt Edo. Seine Version besticht durch eine minutiöse Ausführung und außergewöhnlich erzählfreudigen Detailreichtum. Die großzügige Verwendung von Gold und kostbaren Farben sowie die Gestaltung selbst der Schirmrückseite mit einer Malerei von Regenpfeifern an Fischernetzen deuten in Verbindung mit dem hohen Status des Malers auf einen Auftraggeber aus höchsten Kreisen. Chikanobu malte wiederholt Schirme, die vom Shogun an die Herrscher anderer Länder gesandt wurden und vielleicht war auch dieses Schirmpaar für die Präsentation als diplomatisches Geschenk gedacht.

Dr. Alexander Hofmann