Hendrik Lot

Morgendämmerung, 1832/47
Stiftung B.C. Koekkoek Haus, Kleve

Hendrik (Henry) Lot verbindet in diesem Gemälde deutsche Rheinromantik mit der zarten und einfühlsamen Lichtkomposition der Schule Koekkoeks in Kleve. In seiner „Morgendämmerung“ am Fluss scheint sich die Landschaft in der Farbe des Morgenrotes aufzulösen.

Im Vordergrundrastet ein Hirte mit seinem Hund und seiner Herde an einem Unterstand. Dahinter fällt der Blick auf den Rhein. Am Ufer rechts erhebt sich als Fantasiekomposition eine Burg über einer Stadt, im Fluss erscheint die Silhouette einer Insel, darüber auf der rechten Seite des Flussufers eine weitere Burg (evtl. angeregt von Kaub mit Burg Gutenfels und der Pfalz). Über dem Wasser steigt Nebel in Schwaden auf. Der tief liegende Horizont wird durch die dem Fluss in die Tiefe folgende Hügelkette verstellt. In der Ferne leuchtet der Himmel im Morgenrot, das sich bis in den oberen Teil des Himmelsgemäldes mit angedeuteten Wolkengebilden ausbreitet und im oberen Abschluss in ein zartes Blau übergeht.

Hendrik Lot, der aus dem unweit von Kleve hinter der niederländischen Grenze gelegenen Gendringen (Achterhoek) stammt, ist bereits als junger Maler zu Koekkoek nach Kleve gekommen, wo er sich 1839-1840 aufhielt. 1840 ging er nach Alkmaar. 1847 kehrte er nach Kleve zurück, wo er bis 1851 im Umfeld von Koekkoek wirkte, 1846 und 1851 u. a. als Zeichenlehrer am Gymnasium in Wesel. Nach 1853 ist sein Aufenthalt als Student an der Düsseldorfer Akademie belegt. 1854-1860 war er Mitglied des Künstlervereins Malkasten. Typisch für Lot sind seine Waldlandschaften (Düsseldorf, Rathaus) und Fluss- (Rhein)landschaften mit großer Staffage. Lot nahm an den Ausstellungen in Düsseldorf, Kleve (1843, 1848), Den Haag (Levende Meesters) und im Glaspalast München (1869) teil.

Das Gemälde dieses noch weitgehend unerforschten Malers, ist ein einzigartiges Beispiel für den Einfluss von B. C. Koekkoeks Lehrschrift: „Herinneringen en Mededeelingen van eenen landschapschilder“ die dieser unter dem Einfluss von Carl Gustav Carus verfasst hat. Lot setzt hier fast wörtlich eine Passage über eine Morgendämmerung in Malerei um (Ausgabe Amsterdam 1841, S. 196 ff.).