Hans Wertinger, Monatsbild mit Turnier
in der Landshuter Altstadt,
um 1516-1525

Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, Stadtresidenz Landshut

Das malerisch höchst reizvolle, kleinformatige Gemälde des Hofmalers Herzog Ludwigs X. von Bayern (reg. 1514–1545) wurde erst unlängst bekannt. Es gehört zu einer Reihe von Monatsdarstellungen des Künstlers, bei denen man einen Auftrag des bayerischen Herzogs für seinen Landshuter Hof annimmt. Die Darstellung des Turniers in der Landshuter Altstadt stellt dabei mit der Wiedergabe von Ludwigs Residenzstadt erstmals einen direkten Bezug zum vermuteten Auftraggeber her. Zugleich ist das Bild als die einzige bekannte Darstellung eines Ritterturniers in der Landshuter Altstadt singulär.

Das qualitätsvolle Holztafelbild ist ohne Zweifel ein eigenhändiges Werk des Landshuter Malers Hans Wertinger (um 1465/70–1533), eines Meisters der Donauschule im Umkreis Albrecht Altdorfers. In der für ihn typischen Vermischung realer und komponierter Elemente ist die spätmittelalterliche Stadtkulisse wiedergegeben, die dennoch eindeutig als die Landshuter Altstadt zu identifizieren ist. Der Blick führt durch den charakteristischen langgestreckten Straßenmarkt, wie ihn das Stadtmodell Landshuts von Jakob Sandtner von 1571 überliefert. Am Ende des Straßenzugs erscheinen als markante Bauten die Heiliggeistkirche und das Spitaltor. Links hat der Maler in künstlerischer Freiheit die Kirche St. Martin als Wahrzeichen Landshuts hinzugefügt. Ein Schlitten deutet die winterliche Jahreszeit an, wobei die Turnierdarstellung in Monatszyklen typisch für den Februar ist. Der rotbestrumpfte vornehme Herr im Bildvordergrund, der auch auf anderen Monatsbildern Wertingers wiederkehrt, wird traditionell als Ludwig X. interpretiert.

Den geschnitzten Barockrahmen der Renaissancetafel bekrönt das spanische Königswappen. Dies verweist auf die hochrangige Provenienz des Gemäldes, das aus schottischem Privatbesitz erworben wurde – aus dem spanischen Königshaus. Durch dynastische Verbindungen könnte es aus bayerischem Herrscherbesitz nach Spanien gelangt sein. Zukünftig wird es in der Stadtresidenz Landshut, Ludwigs spektakulärem Renaissancepalast, in unmittelbarer Nähe zum Schauplatz des Motivs präsentiert.

Dr. Brigitte Langer