Heinrich Volckert
Prunkpokal, ca. 1712

Hamburg Museum

Der große mit aufwändiger Schnittverzierung versehene Prunk-Deckelpokal aus farblosem Glas stammt es aus sächsischer Herstellung, genauer wohl aus der Königlichen Glashütte Dresden, verantwortlicher Künstler war vermutlich der dort zwischen 1701 und 1726 tätige Königliche Glasschneider Heinrich Volckert.
Signifikantes Dekor des Pokals sind neben der üblichen Verzierung barocker Gläser mit Zungenschliff, Kerbschnitt, Facetten und Ranken drei Bildmotive an der Kuppa.
Sie zeigen das Große Hamburger Stadtwappen mit Helm und Helmzier, gehalten von zwei Löwen, ein Rundmedaillon mit einer Ansicht Hamburgs aus der Vogelschau sowie ein Rundmedaillon mit einer allegorischen Darstellung: Merkur, der Patron des Handels, in einer Rüstung mit dem Hamburger Stadtwappen steht ähnlich wie der antike Koloss von Rhodos über einer Gewässerenge – hier wohl die Elbe – und setzt dabei seinen einen Fuß auf einen Schiffsrumpf und den anderen auf einen Felsen. Aus den Wolken über seinem Kopf ragt eine segnende Hand. Um das Medaillon läuft in lateinischer Sprache eine Inschrift, die auf Wohlstand durch den Fleiß gemeinsamer Arbeit zu deuten ist.
Die beiden Medaillons nehmen Darstellungen einer Medaille auf, die Sebastian Dadler, einer der führenden Medailleure im damaligen Deutschland, im Auftrag der Hansestadt im Jahre 1636 auf die Bestätigung des kaiserlichen Elbprivilegs geschaffen hatte. Die Vogelschau kopiert dabei einen Stich Matthäus Merians. Die Bildauswahl ist so eindeutig auf Hamburg bezogen, dass ein unmittelbarer Bezug zu einem repräsentativen Zweck und aus einem bestimmten Anlass angenommen werden muss.
Möglicherweise steht die Anfertigung des Pokals mit dem sog. Hauptrezess von 1712 im Zusammenhang. Dieser verwies summarisch auf alle in Hamburg gültigen Rechtsordnungen und Rezesse und zog damit einen Schlussstrich unter die stattgehabten Machtkämpfe der letzten Jahrzehnte. Sein erster Artikel enthielt die berühmte Kompromissformel, es werde „hiemit, als ein ewiges unveränderliches und unwiederrufliches Fundamental-Gesetz festgestellt und bekräftiget, daß solch τo κυριον, das höchste Recht und Gewalt bei E. E. Rath und der Erbgesessenen Bürgerschaft inseparabili nexu coniunctim und zusammen, nicht aber bei einem oder andern Theil privative bestehe“. Der Pokal setzt in seiner Ikonographie genau dort an: Die Medaillen mit ihren den segensreichen Handel beschwörenden Darstellungen auf der einen Seite und der die stolze Stadt dokumentierende Grundriss nach der Stadterweiterung auf der anderen Seite werden durch die großen Stadtwappen mit Löwen als Helmhaltern beidseitig umschlossen. Hier feiert sich die Stadt und verweist auf die Errungenschaften des letzten Jahrhunderts.