Freilegung der Thronenden Muttergottes

Herzogliches Gregorianum München

Die Skulptur der „Thronenden Muttergottes“ aus der Kunstsammlung des Herzoglichen Gregorianums muss aufgrund ihres frühen Entstehungsdatums um 1280 – 1300 sicherlich zu den besonders bedeutenden Stücken der Sammlung gezählt werden. Die Holzfigur stammt aus dem Süddeutschen Raum und ist 1886 durch den damaligen Direktor Dr. Andreas Schmid, der die Sammlung aufgebaut hatte in das Herzogliches Gregorianum gelangt. Schmid hat die Figur bei dem Münchner Bildhauer Eugen Kollmann erworben. Die gekrönte Madonna thront auf einem mit Kissen geschmückten Kastensitz und hält ein Zepter in der rechten Hand. Das Jesuskind auf ihrem Schoß ist verloren gegangen. Da sich die Farb- und Grundierungsschichten auf der hölzernen Oberfläche gelockert hatten und die Figur in einem allgemein unerfreulichem Zustand ist, wird sie nun grundlegend restauriert. Bei einer Befunduntersuchung wurden mehrere ältere Fassungsebenen entdeckt. Dabei konnten Fassungsfragmente einer sehr frühen, vermutlich der originalen Fassung nachgewiesen werden. Die aktuell sichtbare Fassung mit einer recht einfachen, plakativen Gestaltung stammt von einer Restaurierung um 1900. Es handelt sich hier um eine historisierende Fassung nach dem damaligen Zeitgeschmack. Im Rahmen des Restaurierungsprojektes wird die Skulptur nun auf die älteste Fassungsschicht freigelegt. Das Ziel ist ein dem Alter und der Qualität der Skulptur angemessenen Zustand wieder herzustellen, bei dem der museale Kontext des Kunstwerkes berücksichtigt wird. Das Engagement der Ernst von Siemens Kunststiftung hat zur Einwerbung weiterer Restaurierungsmittel für die Sammlung beigetragen.