FRANZ VON STUCK
Herkules und die Hydra

Villa Stuck München

Das Gemälde „Herkules und die Hydra“ gehört nicht nur zu den faszinierendsten Darstellungen griechischer Antike im Werk von Franz von Stuck, sondern befindet sich auch im engsten zeitgeschichtlichen Zusammenhang mit dem Jahr seiner Entstehung: 1915. Das von Wilhelm II. zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 gewählte Motto „Feinde ringsum“ stammt aus dem Alten Testament und wird im Zusammenhang mit Kriegsgefahren für das Volk Israel mehrfach verwendet. Franz von Stuck greift dieses Motto in seinem leuchtenden Gemälde „Herkules und die Hydra“ im Stil der antiken Mythologie auf und gibt ihm eine moderne, zeitgemäße Interpretation: Zugleich gehört das Gemälde zu den wenigen mythologischen Darstellungen des Ersten Weltkrieges überhaupt.
Das Gemälde zeigt Deutschland als kämpfenden Herkules umgeben vom feindlichen Szenario europäischer Mächte, symbolisiert durch die vielköpfige Hydra. Diese Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg, an dem Stuck selbst nicht aktiv beteiligt war, ist in seinem einmaligen Zeitbezug eines der wenigen unmittelbar politischen Statements des Künstlerfürsten und nimmt deshalb eine besondere Rolle in seinem Schaffen ein. Das Gemälde stellt eine kongeniale Ergänzung der Sammlung des Museums Villa Stuck dar, in der sich bereits drei Versionen der Plastik „Feinde ringsum“ (1916) sowie die großformatige Zeichnung gleichen Titels befinden. Allen gemein ist die von Stuck im Verlauf weiterentwickelte Figur des schwertschwingenden Helden. Mit dem Gemälde als Herzstück lässt sich nunmehr die Genese der Werkgruppe exzellent nachvollziehen. Das Werk konnte zum 150. Geburtstag des Künstlerfürsten Franz von Stuck erworben werden und kehrt damit an den Ort seiner Entstehung zurück.