Drei Pokale aus dem Besitz des Herzogs Georg Wilhelm von Lüneburg-Celle, 1610/1650

Residenzmuseum im Celler Schloss

Der sensationelle Erwerb dreier Huldigungspokale aus dem 17. Jahrhundert auf einer Auktion in Paris ging im Frühjahr 2009 durch die Presse. Anlass war die Versteigerung der Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé. Das Land Niedersachsen erwarb die drei wertvollsten Objekte in einer konzentrierten Finanzierungsaktion.

In früheren Jahrhunderten dienten großformatige Goldschmiedewerke oftmals als Huldigungsgeschenke: Dem Fürsten wurden zum Regierungsantritt insbesondere von den Städten, Ämtern und Klöstern seines Territoriums zumeist stattliche Pokale überreicht. Hiermit war in der Regel die Erneuerung von Privilegien durch den Landesherrn verbunden. Oft erfolgte die Darbringung der Huldigungspräsente beim ersten Einzug des Herrschers; sie wurden zumeist auf einem gestaffelten Buffet in den Repräsentationsgemächern zur Schau gestellt.

Bei den ersteigerten Silberpokalen handelt es sich um einen barocken Tischbrunnen des Amtes Bodenteich, einen vierfachen Traubenpokal des Amtes Osterode sowie einen 113 cm hohen, reichverzierten Buckelpokal des Lüneburger Goldschmieds Nicolas Siemens, der zu den weltweit größten und bedeutendsten Goldschmiedearbeiten dieser Art zählt. Dieser Riesenpokal, ein sogenannter Akeleipokal mit Vasenaufsatz, gelangte als Huldigungsgeschenk der Stadt Lüneburg, die auf eine blühende Tradition des Goldschmiedehandwerks zurückblicken konnte, in den Besitz des Herzogs Georg Wilhelm. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die Pokale nach Ausweis der auf den Stücken befindlichen Initialen „GW“ (Georg Wilhelm) im Schloss Celle konzentriert. Allein in der Rüstungskammer des Moskauer Kremls haben sich vergleichbare Pokale erhalten- als Gesandtengeschenke der Könige von Schweden und Polen.

Die drei Silberschmiedearbeiten sind von europaweiter Bedeutung, da sich das einzig erhaltene zusammengehörige Ensemble von fürstlichen Huldigungspräsenten des Frühbarock darstellen. Die drei Pokale werden bis 2012 im Residenzmuseum im Celler Schloss ausgestellt, da sie dort nachweislich bis 1705 zum Inventar gehörten. Anschließend ist die Präsentation im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig als Hort der welfischen Sammlungstradition vorgesehen.p>

Josefine Puppe