Das geheime Ehrenbuch der Fugger, 1545/1549,
und die Fuggerorum et Fuggerarum imagines,
um 1620

Bayerische Staatsbibliothek, München

Die Handschrift Das geheime Ehrenbuch der Fugger (Cgm 9460) entstand in den Jahren 1545-1549. Sie wurde von Johann Jakob Fugger in Auftrag gegeben, dessen 1571 von Herzog Albrecht V. angekaufte Bibliothek Grundstock der Bayerischen Staatsbibliothek ist. Die großformatige Papierhandschrift umfasst 361 Blätter. Sie enthält zunächst die Genealogie der Fugger von der Lilie. Im späten 18. Jahrhundert wird sie mit einer eher schablonenhaften Wappenfolge um die Stammreihe für die Fugger von Kirchberg und Weißenhorn ergänzt. Der zweite, weniger üppig ausgearbeitete Teil enthält die Genealogie der Fugger vom Reh und endet um 1545 mit Anna Fugger. Weitere Blätter sind leer beigebunden. Die Handschrift darf mit ihren zahlreichen Jörg Breu dem Jüngeren und seiner Werkstatt zugeschriebenen Illustrationen als einer der Höhepunkte der Spätzeit illuminierter Handschriften gelten. Sie enthält eine Fülle von Porträts, Wappen- und Heroldsbildern, Genealogien, Ahnenproben und Warenzeichen der Fugger. Bei den männlichen Nachkommen sind prächtig gerahmte Bildseiten für Texteintragungen zumeist nur vorgesehen, seltener genutzt.

Die kolorierte Kupferstichgalerie Fuggerorum et Fuggerarum imagines (Cod.icon. 380) ist, obwohl ein Druck, dennoch ein Unikat. 1593 war eine erste Ausgabe mit 71 Porträts vollendet. 1616 beauftragten die Fugger eine neue Auflage des Werkes, die die Mitglieder der nächsten Generation einbeziehen sollte. 1618 erschien in Augsburg bei Andreas Aperger eine Ausgabe mit 127 Bildnissen. Das Fuggersche Exemplar enthält jedoch 138 Porträts, 3 mehr als die unkolorierte Ausgabe. Bei 10 Familienmitgliedern ist dem Altersbildnis von 1618 ein Jugendbildnis vorangestellt. Die Genealogie der Kupferstichgalerien beginnt mit Jakob Fugger dem Alten. Sie enthält ausschließlich Porträts der Fugger von der Lilie und ihrer Gattinnen bis ins späte 16. Jahrhundert hinein. Die Porträts, teils Brust- teils Kniebilder, sind nach zeitgenössischen Vorlagen gestochen. Die Bildnisse stehen mit dazugehörigen Wappen in einem reichen Rahmenwerk aus Architekturteilen, Rocaille, Allegorien und Grotesken. Obwohl nur fünfzehn unterschiedliche Rahmen vorhanden sind, entsteht durch die Bemalung der Eindruck einer viel größeren Anzahl. Identische Rahmen sind nie gleich gemalt, immer gibt es Unterschiede, Nuancen, Varianten. Die alte Kolorierung, die mit Aquarell- und Gouachefarben den Stichen in kongenialer Meisterschaft Leben verleiht, macht den herausragenden Wert aus. Mit diesem Werk initiierten die Fugger eine Verbreitungsform der Familiendarstellung, die es so nie gegeben hatte. Weder im Umfang noch in Aufwand und Größe der Platten kommt ein anderes Stichwerk dieser Jahre der Fugger’schen Ahnengalerie gleich.

Dr. Claudia Fabian