Conrat Meit, Büste von Jakob II. Fugger, um 1510-1515

Bayerisches Nationalmuseum, München

Die gerade abgeschnittene Büste zeigt Jakob Fugger in strenger Frontalität. Das Porträt besticht trotz des kleinen Formats durch die bemerkenswerte Schilderung aller Details sowie die monumentale Wirkung und unmittelbare Präsenz des Dargestellten.

Jakob II. Fugger (Augsburg 1459-1525) war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Frühen Neuzeit und der reichste Mann seines Zeitalters. Die von ihm den Habsburgern zur Verfügung gestellten Geldsummen und Sicherheiten ermöglichten 1519 maßgeblich die Wahl des römisch-deutschen Kaisers Karl V. Seiner Bedeutung gewiß, stellte Jakob Fugger in einem Brief an Karl V. lapidar fest: „Es ist auch wissentlich und ligt am tag, daß Ew. Kay. Majestät die Römisch Cron ausser mein nicht hette erlangen mögen“ (zitiert nach Strieder 1938). Unter ihm stieg das Augsburger Handels- und Bankhaus zu internationaler Bedeutung auf. Mit der heute noch bestehenden Fuggerei in Augsburg gründete er die erste soziale Wohnsiedlung für Mittellose. Die Porträtbüste zeigt Jakob Fugger etwas jünger als sein gemaltes Porträt aus der Werkstatt Albrecht Dürers von ca. 1520 (Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München an die Katharinenkirche, Augburg). Mit dem Gemälde stimmt die Büste in den individuellen Zügen und in der Bekleidung eng überein. Anstelle der goldenen Netzhaube zeigt die Büste ihn mit einer einfachen schwarzen Haube.

Möglicherweise entstand dieses Zeugnis der Porträtkunst Conrat Meits noch in Deutschland, bevor er 1512/14 nach Mecheln in Flandern zog, um dort als Hofbildhauer Margaretes von Österreich, Regentin der Niederlande, zu arbeiten. Die Büste führt die von Dürer gerühmte Meisterschaft Meits als Bildschnitzer eindringlich vor Augen.

Dr. Michael Burk