Caspar David Friedrich, Der Herbst (aus dem Jahreszeitenzyklus von 1803)

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Die Wiederentdeckung und der Ankauf des ersten, 1803 datierten Jahreszeitenzyklus von C. D. Friedrich gleichen einer Sensation. Die Sepia-Bilder Frühling, Herbst und Winter (der Sommer bleibt vermisst) sind der Forschung dank Quellen aus der Zeit des Künstlers und der Vorkriegsliteratur zwar bekannt gewesen. Die Gruppe war auch mehrmals ausgestellt, so auf der von Heinrich v. Tschudi 1906 eingerichteten „Jahrhundert-Ausstellung“. In Ermangelung der verloren geglaubten Originale aber konnten Wissenschaft und Publikum nach 1945 nur auf alte Reproduktionen bzw. eine spätere Variante des Themas (Hamburger Kunsthalle) zurückgreifen.

Der aus Privatbesitz über den Kunsthandel erworbene Zyklus ist eine Inkunabel der deutschen Romantik. In ihm bildet Friedrich erstmals das Vokabular aus, das in den miteinander verwobenen Themen der Lebensalter, Jahres- und Tageszeiten im späteren Werk immer wiederkehrt. Im Bild des Herbstes wird nach dem Frühling (Morgen/Kindheit) und dem Sommer (Mittag/Jugend) in religiös überhöhter Metaphorik die Zeit der Reife angezeigt: Im warmen Abendlicht steht das Ziel des Lebensweges schon vor Augen, wenn auch in unerreichbare Ferne gerückt: der dreigeteilte Gipfel, „hohes Sinnbild des ewigen Lichts“ (G. H. v. Schubert, 1808).

Provenienz: Heinrich Wilhelm Campe (1770–1862), Leipzig; über Erbschaften an Sophie Hasse, geb. Campe, und den Mediziner Prof. Karl Ewald Hasse (1810-1902), 1902 an Dr. Ernst Ehlers (1835-1925), alle Göttingen; von dessen Erben 1935 an die Reichskammer der Bildenden Künste, Berlin; ab 1937/45 in Privatbesitz und vererbt bis 2005; über C. G. Boerner, Düsseldorf, erworben von der Ernst von Siemens Kunststiftung, München. Das Blatt wird nach der Restaurierung in die erhaltene Ziermontage der Sammlung Campe eingelegt.

Zwei weitere Werke des Jahreszeitenzyklus, der Frühling und der Winter, wurden unter Vorfinanzierung der Ernst von Siemens Kunststiftung mit großzügiger Unterstützung der Hermann Reemtsma Stiftung und der Kulturstiftung der Länder für das Berliner Kupferstichkabinett erworben.

Prof. Dr. Heinrich Schulze Altcappenberg